Termine

26. Oktober, Marx-Engels-Stiftung: Dialektik und Weltliteratur

Cartoon: Marx und Engels.

Veranstaltungen der Marx-Engels-Stiftung
im Herbst 2019



 Sa, 26.10., München, EineWeltHaus, Schwanthalerstr. 64, 10.30-17.30 Uhr

 

Goethes «Faust»: Dialektik und Weltliteratur

In Zusammenarbeit mit den Münchner Freidenkern

 

Ziel dieses Seminars ist es, diesen wohl bekanntesten und auch schwierigsten Text deutscher Sprache als ein Stück Weltliteratur zu begreifen; als einen Text, der nicht nur deutsche Verhältnisse, sondern  in der Bewegung vom Ersten zum Zweiten Teil der Dichtung, die Verhältnisse der kosmopolitischen bürgerlichen Gesellschaft spiegelt – der imperialistischen Weltgesellschaft,  in der wir leben. In diesem Sinn ist Goethes Faust eine ganz und gar moderne Dichtung, die im Handlungsgeschehen der Zwei Teile den Entstehungsprozess der modernen Welt in modellhafter Verknappung darstellt.


Diesem Ziel wird im Einzelnen zunächst, in Block I, im Kontext der Entstehungsgeschichte nachgegangen: Faust als Epochenspiegel.

In enger Verbindung mit der Darstellung des historischen Prozesses steht als zweiter Block die Dialektik des Handlungsablaufs als Widerspruchsgeschehen. Hierzu gehört auch das Begreifen der Widerspruchsgestalt der Figur Faust sowie die ironische Funktion des Mephisto. Das Begreifen des Gesamtdramas als Tragikomödie, in der nicht zuletzt ein männlicher Gott durch Ensemble von Frauengestalten weltlichen und himmlischen Ursprungs ersetzt wird, spielt ebenfalls in diese Dialektik hinein.

In einem dritten Block soll es um die Bedeutung der Sinnlichkeit und um die Herausstellung der klassischen Antike als Sprache des Widerstandes im Kontext der konservativen Reaktion auf die französische Revolution gehen. Als Beispiel dient der dem Augenschein nach weniger offen politische Dichter John Keats, der eine ähnliche Formsprache wie Goethe entwickelt für seine Grundsatzkritik an der bürgerlichen Gesellschaft als menschenunangemessen.

 

Es referieren:

Prof. Thomas Metscher (Anglist, Literaturwissenschaftler, Philosoph) – zu den Blocks 1 und 2

Dr. Jenny Farrell (in Berlin aufgewachsen, lehrt heute in Galway, Irland – zu Block 3)

 

 

Samstag, 09.11., Essen, Hoffnungstr. 18, 10.30 – 17.00 Uhr

 

«Die DDR … nicht nur eine Fußnote der Geschichte»
Zum 70. Jahrestag der Gründung der DDR: Analyse statt Exorzismus!

 

Die Leitmedien der Bundesrepublik nennen zwei Ereignisse, an die 2019 zu erinnern sei: 70 Jahre BRD und 30 Jahre Mauerfall – als Anfang vom Ende der DDR. Was die DDR angeht, ist die Rede von Unrechtsstaat, Pleitestaat, «verordnetem Antifaschismus» und einem «fremdenfeindlichen Erbe». Diese Bewertung der DDR geht über ihre tatsächliche Rolle in der Zeit der Systemauseinandersetzung unwissenschaftlich und ahistorisch hinweg. Man widmet sich lieber mit Inbrunst der 1991 vom damaligen Bundesinnenminister Kinkel gestellten Aufgabe, «das SED-System zu delegitimieren». Vier Referenten aus der ehemaligen DDR und der BRD geben auf unserer Konferenz Antworten auf die Frage, ob dieser Staat tatsächlich «nur eine Fußnote der Geschichte» war, wie der sozialdemokratische Historiker H. U. Wehler befand.

  • Der Historiker Dr. Reiner Zilkenat spricht über die DDR als ein Ergebnis der Niederlage des deutschen Faschismus und die Gründung der SED als Konsequenz aus der Spaltung der Arbeiterbewegung von 1918 und 1933.
  • Der Historiker Prof. Götz Dieckmann spricht zum Thema: Antifaschistisch-demokratische Gesellschaftsordnung als Basis für den Aufbau des Sozialismus?
  • Die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Erika Maier befasst sich mit der sozialistischen Wirtschaftspolitik der DDR, ihren Bedingungen, Erfolgen, Fehlern und Lehren, die daraus folgen.
  • Stefan Kühner (stv. Vorsitzender der Freundschaftsgesellschaft Vietnam und Mitglied unseres Vorstands) betrachtet die Rolle der DDR als Staat des Friedens und des Internationalismus.

 

Anhand der Referate und in der Diskussion mit den Vortragenden wollen wir herausarbeiten, welche welthistorische und geostrategische Bedeutung der DDR zukommt, unter welchen Bedingungen sie sich entwickelt hat, welche Erfolge sie trotz widriger Bedingungen auf wichtigen Feldern errungen hat, aber auch, welche Strukturen und/oder Weichenstellungen sich als falsch beziehungsweise hemmend erwiesen haben.

 


 

Samstag, 16.11., Berlin, MEZ, B-Charlottenburg, Spielhagenstr.13, 11:00–16:00 Uhr

 

Über den realen Sozialismus, dialektisches Denken
und westlichen Marxismus

 

Seminar in Kooperation mit dem MEZ Berlin

 

Der im Juni 2018 verstorbene italienische Historiker und Philosoph Domenico Losurdo war einer der kreativsten marxistischen Denker der heutigen Zeit. Er hat sich mit den unterschiedlichsten Themen befasst und ein umfangreiches Werk hinterlassen, das sich die gesellschaftliche Linke erst langsam erschließt. Währenddessen werden posthum weitere Bücher von ihm veröffentlicht.
In einem Seminar im November 2018 hat sich das MEZ mit der von Losurdo herausgestellten Bedeutung des Klassenkampfs, der historischen Bewertung Stalins und mit seiner Sicht auf Staat und Nation beschäftigt.
In diesem zweiten Seminar zum Werk Losurdos soll es nun um seine Stellung zu Hegel und die Dialektik, seine Bewertung des Untergangs des realen Sozialismus und um die Frage gehen, was vom westlichen Marxismus bleibt.

 

Es referieren:

  • Prof. Richard Sorg: Losurdos Stellung zu Hegel und zur Dialektik
  • Dr. Sabine Kebir: Der westliche Marxismus – Wie er entstand, verstarb und wieder auferstehen könnte. Über Losurdos jüngstes Buch
  • Andreas Wehr: Unvermeidliches Scheitern oder historisch bedingte Niederlage? Der reale Sozialismus im Werk von Domenico Losurdo

 

Um Anmeldung unter info@mez-berlin.de oder 030-5587 2315 wird gebeten.

 


 

Samstag, 16.11., Stuttgart, Naturfreundehaus Fuchsrain, Neue Straße 150,
10.30-17.00 Uhr


 

Der «Tiefe Staat» – oder wer regiert den Westen?

 

Konferenz des Deutschen Freidenkerverbands, in Zusammenarbeit u.a. mit der Marx-Engels-Stiftung

 

Nähere Informationen in Kürze auf der Website des DFV: https://www.freidenker.org/

 


 

Samstag, 16.11., Rostock, 19 Uhr – genauer Veranstaltungsort noch offen

 

Auswertung des IGM-Gewerkschaftstags

 

Referent: Uwe Fritsch, Betriebsratsvorsitzender bei VW Braunschweig

 


 

Sa, 23.11., Wuppertal, MEZ, Gathe 55, 11.00-17.00 Uhr

 

Bauhaus: Luxus oder Volksbedarf? Gestaltungsfragen und die Klassenfrage

 

Stahlrohrsessel, Wiege und Co – dafür ist das Bauhaus noch bis heute in aller Welt bekannt. Sein erster und bekanntester Direktor Walter Gropius vermochte es mit Kollegen wie Wassily Kandinsky der Kunstschule einen bis heute in der ganzen Welt einzigartigen Ruf als Designschmiede zu verschaffen. Auch im Jubiläumsjahr 2019 zum hundertjährigen Bestehen der Institution konzentriert sich das öffentliche Interesse hauptsächlich auf genau diese wenigen Aspekte, doch dabei gäbe es so viel mehr zu entdecken. So wollte zum Beispiel der zweite Bauhaus-Direktor Hannes Meyer aus der Luxus- eine Volksbedarfsschmiede machen. Möbel sollten praktikabel, platzsparend und günstig sein. Auch Wohnsiedlungen entstanden in dieser Phase, welche die Menschen langsam zu einem Kollektiv formen sollten. Ein idealistischer Traum, der nur zwei Jahre währte und wenige Spuren im allgemeinen Gedächtnis hinterließ, dafür jedoch gerade heute umso spannender neu zu entdecken ist.

 

Referent: Andreas Hartle, Stadtplaner und Architekt

 


 

Sa, 23.11., Stuttgart, Waldheim Clara Zetkin, Gorch-Fock-Str. 26, 10.30-17.00 Uhr

 

Tagung zur Arbeitswerttheorie

 

Seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten malt die bürgerliche Ökonomie ein Bild des Kapitalismus als einer harmonischen, effizienten Gesellschaftsordnung, als bester aller Welten. In ihr erhalten die Besitzer von Kapital, Arbeit und Boden die ihnen zustehenden Erträge, vermittelt der Markt reibungsarm zwischen Käufern und Verkäufern, werden die Warenpreise durch die Präferenzen der Konsumenten bestimmt. So erhält jedes Individuum einen gerechten Anteil am Gesamtprodukt und kann seine Bedürfnisse optimal befriedigen. Regelmäßige Wirtschaftskrisen, Unterauslastung von Anlagen, Arbeitslosigkeit und wachsende soziale Ungleichheit stören dies Bild der großen Harmonie, können aber die Zunft der Ökonomen in ihren Prämissen nicht irre machen.

Darum ist die Marx’sche politische Ökonomie den Herrschenden ein Felsbrocken des Anstoßes, der regelmäßig zerhauen werden muss. Denn Marx betrieb die kritische Zerstörung der Erzählung marktwirtschaftlicher Harmonie. Er geht von den wirtschaftlichen Verhältnisse im Produktionsprozess aus, der Vermittlung zwischen Mensch und Natur durch die menschliche Arbeit, auf die alle wirtschaftlichen Kategorien sich zurückführen lassen. Die scheinbar gerechte Verteilung der produzierten Güter verwandelt sich bei Marx in Zahlungen für die Reproduktion der Arbeitskraft und in Mehrwert, der von den Produktionsmittelbesitzern angeeignet wird, die Einkünfte aus Kapital und Boden in Resultate von Ausbeutung, das Verhältnis zwischen unmittelbaren Produzenten und den Eigentümern der Produktionsmittel in einen Klassengegensatz, die Preisverhältnisse der Waren in Ausdruck von Arbeitswerten, von in Waren vergegenständlichter Arbeitszeit.

Unsere Tagung beschäftigt sich mit der Marx’schen Theorie von den Arbeitswerten, weil sie den Springpunkt für die Analyse der Bewegungsgesetze bürgerlicher Gesellschaften bildet und von ihr aus die Diskussion über den geschichtlichen Entwicklungsgang dieser unserer Gesellschaft geführt werden muss.

 

Es referieren die Wirtschaftswissenschaftler Prof. Klaus Müller (Chemnitz) und Dr. Stephan Krüger (Berlin).

 


 

Sa, 30.11., Hamburg, HAW, Alexander Str. 1, 11:00-16:00 Uhr

 

Kapitalismus – eine europäische Produktionsweise?

 

Veranstaltung des Hamburger Gesprächskreises Dialektik & Materialismus in Zusammenarbeit mit der Marx-Engels-Stiftung

 

Referent: Dr. Jörg Goldberg, Frankfurt a. M.


 

Der Kapitalismus ist in Europa entstanden und weist viele Merkmale auf, die der europäischen Geschichte und europäischen vorkapitalistischen Produktionsweisen geschuldet sind. Gleichzeitig ist er von Anfang an global ausgerichtet. Im Zuge der Expansion in außereuropäische Regionen und Gesellschaften ändert er seinen Charakter. Ähnlich wie in Europa integriert er bei der Durchdringung neuer Kapitalanlagefelder und Absatzmärkte historisch gewachsene ökonomische, gesellschaftliche und kulturelle Institutionen. Dadurch entwickeln sich neue Formen. In dem Maße, wie sich neue kapitalistische Gesellschaften von der Dominanz der westeuropäischen/nordamerikanischen ‚Mutterländer‘ emanzipieren ändert sich das Erscheinungsbild des Kapitalismus. Institutionen, die der europäisch geprägten Kapitalismusanalyse bislang als unabdingbare Eigenschaften der kapitalistischen Produktionsweise schlechthin galten – individuelle Eigentumsrechte, dezentrale Koordination über Märkte und Preise, Trennung von Staat und Wirtschaft, Lohnarbeit – verändern ihren Charakter oder erweisen sich als verzichtbar. Die Herausbildung eigenständiger kapitalistischer Gesellschaftsformationen in den ehemaligen «Hinterländern des Kapitals» (Luxemburg) stellen die marxistische Kapitalismusanalyse ebenso wie die antikapitalistischen Bewegungen vor neue Herausforderungen.

Anmeldung über unsereweltclub@gmail.com erforderlich.


Kostenbeitrag: 10 Euro, kostenfrei für Jugendliche, Schüler, Studierende

 


 

Samstag /Sonntag 30.11. / 01.12. Braunschweig

 

Gramsci-Tage

 

Die Gramsci-Tage werden dieses Jahr von der Marx-Engels-Stiftung unterstützt. Das genaue Programm ist noch in der Planung. Wir werden so bald wie möglich darüber informieren.

 


 

Samstag / Sonntag 07./08.12. Kassel, Universität

 

Bundesweiter Friedensratschlag

 

1994 fand in Kassel, auf Initiative vor allem unseres 2015 verstorbenen Freundes Peter Strutynski, erstmals ein Friedensratschlag statt. Inzwischen sind die jeweils am ersten Dezemberwochenende stattfindenden bundesweiten Friedensratschläge zu einer festen Institution geworden: ein einzigartiges Treffen von in den letzten Jahren meist 300 bis 400 Friedensaktivisten und Friedensforschern.

Die Friedensratschläge sind keine Veranstaltungen der Marx-Engels-Stiftung; aber an ihrer Vorbereitung und Durchführung wirken Mitglieder und Freunde unserer Stiftung engagiert mit. Wir halten dieses Wochenende deshalb von Veranstaltungen unserer Stiftung frei und hoffen, in Kassel auf viele Leser*innen auch dieses Rundbriefs zu treffen.

Das Programm des diesjährigen Ratschlags steht bereits weitgehend fest. Es kann in Kürze auf http://www.friedensratschlag.de eingesehen werden.

 


 2020

Zum Schluss ein Hinweis wenigstens auf unsere erste Veranstaltung im kommenden Jahr: die Jahresmitgliederversammlung. Sie findet diesmal am 1. Februar, wie immer in Wuppertal, statt. Und wie schon seit langem verbinden wir sie wieder mit einer kleinen Konferenz am Nachmittag; sie ist 2020 dem 150. Geburtstag Lenins (22.4.1870 – 21.1.1924) gewidmet. Als Referenten konnten wir zwei renommierte marxistische Wissenschaftler gewinnen, die einem Großteil unserer Leser*innen bereits bekannt sein dürften: den Rechtshistoriker und Rechtsphilosophen Prof. Hermann Klenner, Berlin, und den philosophisch gebildeten Ökonomen Dr. Vladimiro Giacché, Präsident des Centro Europa Ricerche, Rom. Vor allem diese Konferenz ist sicher auch für Nichtmitglieder von Interesse. Bitte also schon mal vormerken!

 

Und noch ein organisatorischer Hinweis: Vor allem wegen der Essensplanung sind wir bei unseren Veranstaltungen für eine Voranmeldung dankbar. Sofern nicht anders vermerkt, telefonisch unter 0211-6802828 (H. Kopp) oder per eMail: marx-engels-stiftung@t-online.de.

 

Hermann Kopp
0211-6802828
0151 23 27 3458

Marx-Engels-Stiftung e.V.
Gathe 55, 42107 Wuppertal
marx-engels-stiftung@t-online.de
www.marx-engels-stiftung.de
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