Politik

Lohnentwicklung 2000 – 2014

Reallöhne erstmals wieder so hoch wie im Jahr 2000

Cartoon: Geldhai und Bundeskabinett: »Wir haben euch die Mieten erhöht. Wir haben euch die Strompreise erhöht. Wir haben euch die Rüstung erhöht. Wir haben euch die Lohnsteuer erhöht. Wir haben uns Diäten erhöht. Aber jetzt auch noch die Löhne?«.

Lan­ge hat es ge­dau­ert! Erst­mals seit ei­nem gu­ten Jahr­zehnt la­gen die Re­al­löh­ne pro Ar­beit­neh­mer im Jahr 2014 über dem Ni­veau von 2000 – um ein gan­zes Pro­zent. Der Grund liegt in der re­la­tiv ho­hen Stei­ge­rung der Net­to­löh­ne (+ 2,4 %) im ver­gan­ge­nen Jahr und der nied­ri­gen Preis­stei­ge­rung (+ 0,9 %) in­fol­ge der De­fla­ti­ons­ten­den­zen. Der Re­al­lohn­zu­wachs be­trägt + 1,5 %.

Den­noch: Das kaum hö­he­re Re­al­lohn­ni­veau ge­gen­über 2000 be­deu­tet, dass sich die Un­ter­neh­mer fast den ge­sam­ten Pro­duk­ti­vi­täts­zu­wachs an­ge­eig­net ha­ben. Im Durch­schnitt hat jetzt ein Ar­beit­neh­mer ge­ra­de mal 1,2 % mehr Kauf­kraft in der Ta­sche als zur Jahr­tau­send­wen­de. Im Durch­schnitt! Denn in­ner­halb der Löh­ne und ins­be­son­de­re Ge­häl­ter ist ei­ne er­heb­li­che Sprei­zung fest­zu­stel­len. Auch die Be­zie­her von Vor­stands­ver­gü­tun­gen, Ma­na­ger­bo­ni und an­de­re Spit­zen­ver­diens­te wer­den der Ka­te­go­rie «Löh­ne» zu­ge­rech­net. De­ren Be­zü­ge sind je­doch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sehr viel schnel­ler ge­stie­gen als die der un­te­ren und mitt­le­ren Ein­kom­men.

Grafik. Lohnentwicklung 2000-2014 je Arbeitnehmer in Prozent zum Vorjahr…

Nach Berechnungen der Hans-BöcklerStiftung sind die Nettoeinkünfte der unteren 30 Prozent der Arbeitnehmer zwischen 2000 und 2009 um etwa 5,5 % gesunken (vgl. isw-wirtschaftsinfo 47, S. 13). Der seit 1. Januar 2015 mit Ausnahmen geltende Mindestlohn soll dem Lohndumping entgegenwirken. Deutschland hat mit 22,2 Prozent der Beschäftigten in der Eurozone den höchsten Niedriglohnsektor – der Durchschnitt im Euroraum beträgt 14,8 %. Hoch‹lohn›sektor: 1. Januar 2015: Erhöhung der Bundestags-Diäten um 4,8 % auf monatlich 9.082 Euro (zum 1.7.2014 wurden sie bereits um 5 % erhöht).

Fred Schmid
Zeichnungen: Bernd Bücking
Aus: isw-wirtschaftsinfo 49


Titel: isw-wirtschaftsinfo 490.

Neu erschienen

isw-wirtschaftsinfo 49 Wirtschaftsbilanz 2014/2015 Zahlen. Kommentare. Cartoons

19.03.2015 | Das isw, Institut für sozialökologische Wirtschaftsforschung, hat das neue Wirtschaftsinfo 49  von isw-Autor Fred Schmid und Zeichner Bernd Bücking veröffentlicht. Das isw-wirtschaftsinfo erscheint jeweils im ersten Quartal eines Jahres mit Analysen & Argumenten, Grafiken & Karikaturen zur wirtschaftlichen und sozialen Situation. Unter 17 Stichworten wird Bilanz des Vorjahres gezogen und ein kurzer Ausblick auf das laufende Jahr gegeben.